7. Gestaltung des pädagogischen Alltags

u3_Kapitel7_2Wichtig ist es uns, dass das Kind möglichst viele Dinge selbst entdeckt. Geben wir ihm bei der Bewältigung und dem Erlernen neuer Aufgaben zu viel Hilfestellung und Lösungsmöglichkeiten, nehmen wir ihm eine wichtige
Grundlage in seiner geistigen
Entwicklung – die eigene Erfahrung.

Ein Kind, das durch selbstständiges Ausprobieren sein Ziel erreicht, erwirbt ein ganz anderes Wissen als eines, dem wir die Lösung vorgeben.

 

7.1 Tagesablauf

 

u3_Kapitel7_1

Viel Zeit und Ruhe sind wichtig und nötig, um die Grundbedürfnisse von Kindern unter drei Jahren zufrieden zu stellen.

Das erfordert von uns einen strukturierten Tagesablauf, der von immer wiederkehrenden Ritualen geprägt ist und den Kindern hilft, sich im Gruppenalltag und im Gruppengeschehen zu orientieren, sich autonom und ihrem Alter adäquat zu entwickeln.

 

7.00 – 8.45

Bringzeit / Freispiel der Kinder

9.00

gemeinsames Frühstück

9.30

Ende der Frühstückszeit / Kinder räumen ihren Platz Selbstständig ab

9.30 – 10.00

Hände- und Mundwaschen / Toilettengang / Wickelzeit

10.00 – 10.45

Freispielzeit / Angeleitete Aktivitäten / Außengelände

11.00

Trink – und Obstpause

11.15

Sing- und Sitzkreis

11.30

Spielzeit mit anschließendem Aufräumen

12.00 – 13.00

Sammelgruppe

12.00

Essenszeit der Ganztagskinder / Wickeln / Schlafanzug anziehen

13.00 – 14.30

Ruhezeit der Ganztagskinder

15.00

Mittagssnack für die Ganztagskinder

ab 14.30 – 17.00

Freispiel der Kinder / Aktivitäten / Außengelände / Abholzeit

17.00

Kita Ende

 

Alle angegebenen Zeiten dienen als Richtwert, deren Einhaltung jedoch individuell an die Bedürfnisse, das Alter und die Befindlichkeit der Kinder anzupassen sind.

7.2. Frühstück und Mittagessen

Uns ist es wichtig, eine entspannte Atmosphäre zu schaffen, damit die Mahlzeiten mit Ruhe und ohne Stress und Zeitdruck eingenommen werden können.

Die Mahlzeiten bedeuten in den Kleinkindgruppen nicht nur, satt zu werden, sie strukturieren auch den Tagesablauf und vermitteln den Kindern einen immer wiederkehrenden Rhythmus. Dadurch bieten wir ihnen Orientierung und Verlässlichkeit. Essen kann eine höchst sinnliche und lustvolle Erfahrung sein! Man kann es riechen und auch fühlen. Gerade bei Kleinkindern ist

das Bedürfnis, das Essen anzufassen sehr groß. Genussvoll die Eigenschaften der Lebensmittel mit den Händen und dem Mund zu ertasten, ist ein wichtiger Erfahrungsprozess Kleinkinder.

Eine große Vielfalt bei der Auswahl der Lebensmittel ermöglicht den Kindern auch ihnen unbekannte Nahrungsmittel kennen zu lernen.

Die Kinder dürfen ihre Brote selbst belegen und das Geschirr nach dem Essen selbstständig abräumen.

Bei der Auswahl des Geschirrs legen wir großen Wert auf „echtes“ Geschirr, das heißt wir benutzen Porzellanschüsseln und –Teller, Trinkgläser, und Glasschälchen.

7.3. Wickel- und Pflegesituation

u3_Kapitel7_3Der achtsame und behutsame Umgang im pflegerischen Bereich ist für das seelische und körperliche Wohlbefinden des Kindes von großer Bedeutung. Wir geben den Kindern Zeit sich aktiv an den pflegerischen Maßnahmen zu beteiligen. Die sprachliche Begleitung des gemeinsamen Handelns vermittelt den Kindern Vertrauen, Geborgenheit und Wertschätzung.

7.4. Was bedeutet „Das Sauberwerden“ für ein Kind?

Der Schritt vom „ Windelkind“ zum Kind, das selbstständig die Toilette benutzen kann, ist ein sehr bedeutungsvoller in der Entwicklung des Kleinkindes.

Um „Trocken“ zu werden, muss das Kind vielerlei Fähigkeiten erlernt haben. Es muss vor allem eine bestimmte „geistige Reife“ entwickelt haben, um folgende Leistungen zu erbringen:

  1. Es ist erforderlich, aus der Fülle der Körpersignale eine herauszufiltern und wahrzunehmen, die anzeigt dass es jetzt zur Toilette muss.
  2. Es ist notwendig, aus diesem Impuls ein Signal für den Erwachsenen deutlich zu machen: „ Ich muss mal“ oder „Pipi“ oder „Pullern“.
  3. Möglich ist das erst, wenn der äußere Blasenschließmuskel wenigstens kurzzeitig kontrolliert werden kann. Das heißt, das Kind muss willentlich in der Lage sein, diesen Muskel für einige Zeit geschlossen zu halten, bevor es als „sauber“ gelten kann. Diese körperliche Leistung können Kinder frühestens ab dem 2. Lebensjahr erbringen.

Druck oder Zwang wirken sich störend auf das Erlernen der Ausscheidefunktionen aus. Deshalb ist es wichtig, dass die Kinder den Zeitpunkt, wann sie trocken werden wollen selbst bestimmen und wir sie dabei unterstützen in dem wir ihre Körpersignale wahrnehmen und ermuntern.

Kinder brauchen andere Kinder oder Erwachsene als Vorbilder, denen sie nacheifern wollen. Denn so lernen sie umso schneller eigenständig auf die Toilette zu gehen.

Hier die einzelnen Phasen nach Beller und Beller im Bereich der Sauberkeitsentwicklung eines gesunden Kindes.

  • Ca. 18. Lebensmonat = zeigt Interesse an der Toilette. Bsp.: Rollt Toilettenpapier ab, spielt mit Wasser, benützt die Toilettenspülung, zieht an der Windel wenn sie nass ist.
  • Ca. 24. Lebensmonat = gibt vor auf die Toilette zu gehen. Bsp.: Wischt sich Gesicht mit dem Papiertaschentuch, zerknittert es und wirft es weg.
  • Ca. 30. Lebensmonat = bleibt tagsüber trocken. Bsp.: Geht von selbst auf die Toilette oder wenn es erinnert wird.
  • Ca. 3. Geburtstag = geht von selbst zur Toilette. Bsp.: Muss nur selten erinnert werden, etwa wenn es in eine Tätigkeit versunken ist; versorgt sich dabei zum großen Teil selbst.

Die Zusammenarbeit mit den Eltern spielt hier eine sehr große Rolle. Wir wünschen uns eine gegenseitige Information und einen Austausch über den Beginn und der gemeinsamen Abstimmung mit diesem Lernabschnitt des Kindes. Die Erfahrungen mit dem Sauberwerden sind ein wesentlicher Bestandteil der Persönlichkeitsentwicklung und dem Erwerb der Autonomie.

 7.5. Spiel und Bewegung

Kinder brauchen eine Umgebung in der sie sich wohl fühlen um sich frei von Leistungsdruck betätigen zu können. Verschiedenste Materialien regen dazu an, sich mit ihnen zu beschäftigen und mit allen Sinnen zu erkunden. Bei kleinen Kindern geht es zunächst um die Erforschung des Materials, nicht um ein sichtbares Ergebnis das unserer Vorstellung entspricht. Erst nach und nach entsteht „Etwas“ das sie benennen und dem sie eine Bedeutung geben möchten.

 

Erkläre mir, und ich vergesse. Zeige mir und ich erinnere. Lass es mich tun, und ich verstehe.

Konfuzianische Weisheit

Im Bewegungsspiel entwickelt sich die eigene Körperwahrnehmung und das Selbstbild. Wo immer sich Kindern die Gelegenheit bietet, sind sie in Bewegung. Sie robben, krabbeln, springen, balancieren, kriechen, rutschen und klettern. Große Freude empfinden Kinder auch an der gemeinsamen Bewegung. Sie erfahren so eigenes Können, Nachahmen, Hilfsbereitschaft, aber auch Miteinander und Rücksichtnahme. Die Kinder streben nach Unabhängigkeit und wollen die Umwelt erforschen und begreifen. Hierbei erlernen sie auch den Umgang mit Erfolgen und Niederlagen.

7.6. Ruhen und Schlafen

u3_Kapitel7_4Nach einer Zeit der Bewegung, des Spielens und Lernens sind Ruhephasen zum „Auftanken“ notwendig.

Ausreichender Schlaf ist – wie die Befriedigung des natürlichen Bewegungsdranges – eine notwendige Vorraussetzung für die gesunde Entwicklung des Kindes. Das Kind soll das Schlafen als etwas Angenehmes und Beruhigendes erleben.

Für unsere Ganztagskinder gibt es eine feste Ruhezeit.

Jedes Kind hat seinen persönlichen Schlafplatz. Mit einem Kissen, einem Schlafsack oder einer Decke, sowie dem Schnuller, dem Teddy oder auch dem T-Shirt der Mama kann sich jedes Kind einen gemütlichen Schlafplatz einrichten.

 

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